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….UND DIE BEREISUNG DER ALPEN ERLEICHTERN

….UND DIE BEREISUNG DER ALPEN ERLEICHTERN
 
 
Von Dr. Josef Rampold
Festschrift zum 100 Jahr Jubiläum der Sektion Bozen 1969

In der ersten Folge der Zeitschrift des Deutschen Alpenvereins steht als oberstes Ziel bündig formuliert: „Der Alpenverein soll alle Verehrer der erhabenen Alpenwelt in sich vereinen, die Kenntnisse von den deutschen (und österreichischen ) Alpen erweitern und verbreiten und ihre Bereisung erleichtern.“
Demzufolge wurde schon im Etat des Jahres 1870 im DAV der Betrag von 15 % des Gesamteinkommens aus den Mitgliederbeiträgen für Hütten- und Wegebauten verwendet. Diese Hütten stehen zum Teil heute noch, sie sind vielfach zu großen Schutzhäusern angewachsen und künden sehr beredt vom Geist der Alpenvereinspioniere. Für die Sektion Bozen lässt sich diese Entwicklung mit geradezu klassischer Deutlichkeit an der Entwicklung der Schlernhäuser darlegen. Von den Wegen jedoch spricht kaum jemand, sie werden als selbstverständlich betrachtet, als ob es sie schon immer gegeben habe. Zum Teil stimmt dies auch – gerade wenn wir beim Schlern als Beispiel bleiben und den uralten , wohl schon prähistorischen Weg von Völs über die Tuff-Alm und durch die Schlucht zu Sessel und Hochweiden der Schlernfläche nehmen; hier gab es nicht viel zu tun, denn die Bauern richteten diesen Weg alljährlich zum Vietrieb her. Mit schmäleren und exponierten Wegen war es vielfach im Grunde dasselbe: es genügte , längst schon bestehenden Jägersteige etwas auszubessern und zu markieren; dies betrifft nun im wesentlichem das Arbeitsgebiet der Sektion, wenn man vom Touristensteig auf dem Schlern (heute Nr. 1 von Bad Ratzes über das Schlernbödele) absieht, den der Österreichische Touristenklub teils verbreitern, teil neu trassieren ließ. Natürlich hat die Sektion tatkräftig an solchen Wegebauten teilgenommen, war aber in wesentlichen Fällen niemals Initiator. Ob das nun der Pößnecker-Klettersteig in der Sella ist, der Santnerpass-Weg, der Adolf – Munkel – Weg in Villnöß oder der Bindelweg nach Fedaja, der Schusterweg auf den Plattkofel und der Friedrich-August-Weg zwischen Rodella und Plattkofelhütte – schon die Namen sprechen davon, dass die meist sehr zahlungskräftigen Sektionen des deutschen Nachbarlandes hinter diesen großartigen Unternehmungen stehen. Hier wurde teilweise Großartiges geleistet, ohne Rücksicht auf die Kosten; als Beispiel nur der Baron Lesser-Weg in der Palagruppe genannt, der in unzähligen solide untermauerten Serpentinen so angelegt war, dass man bei stets gleichbleibender Steigung bis zur Rosettahütte hinauf reiten konnte, von welcher Gelegenheit vor allem die Damenwelt Gebrauch machte. Heute ist diese Anlage leider dem Verfall preisgegeben, ähnlich wie die großartigen Höhenwege von Pfitsch und Pflersch oder die Querung am Südhang der Stubaier Alpen und Ötztaler Hauptkette zwischen Freiger und Texelgruppe , einst ein prächtiger Bergweg, dessen Stützpunkte (Müller- Essener- Zwickauer- Stettiner-Hütte ) heute so gut wie alle unbenutzbar geworden sind.
So muss gesagt werden, dass seit dem Ende des Ersten Weltkrieges im Bereich der heutigen Südtiroler Sektionen auf dem Gebiet „Wegebau“ sehr wenig getan werden konnte. – reichten die Mittel erst nach Jahren- nach dem Zweiten Weltkrieg – dazu aus, ein bescheidenes Hüttenbauprogramm in Angriff zu nehmen. Überdies war auch die alpine Entwicklung dahin gekommen, dass man den gebahnten Weg keine große Bedeutung mehr beimaß; wichtiger erschien es , durch ein sorgfältiges Netz von Markierungen den Arbeitsbereich der Sektion zu erschließen. Dies konnte umso mehr in Angriff genommen werden, als es sich hierbei um ein finanziell tragbares Programm handelte – schon allein deshalb weil sich dazu bis auf den heutigen Tag ehrenamtlich tätige Mitglieder und Referenten gefunden haben, deren verdienstvollen Tätigkeiten meist kaum beachtet wird.; ja nicht nur das: diese stillen und unermüdlichen Arbeiter müssen es immer wieder erleben, dass die von ihnen mit Sorgfalt angebrachten Markierungen und Wegweiser mutwillig oder sogar böswillig zerstört werden. Durch besondere Rücksichtslosigkeit zeichnet sich hier im negativen Sinn jene geschäftstüchtigen Unternehmer aus, die es verstehen, ihre Straßenbaumaschinen auch mitten im schönsten Wandergebiet einzusetzen. Sie denken dabei meist nicht im Mindesten daran, auf Wege und Markierungen Rücksicht zu nehmen.
Damit sind wir bereits beim Kernproblem angelangt, das sich für sämtliche alpinen Vereinigungen und demzufolge auch primär für die Sektion Bozen, stellt. Sie kann auf ein Mustergültiges Netz von markierten Wanderwegen blicken, sie hat den Bozner Talkessel, den Ritten, den Salten und Teile des Überetscher Gebietes sowie den Kohlerer Berg vorbildlich betreut und dehnt ihr Arbeitsgebiet bis an und über die Grenzen der Nachbarsektionen aus. Es ist hier vor allem der verdiente Altvorstand Dr. Hans Kiene zu nennen, der in seinem bis heute unübertroffenen „Bozner Wanderführer“ (3. Auflage Bozen 1965) einfach das Programm für Wege und Markierungen erstellt hat. Dieses Vermächtnis des alpinen Schriftstellers Kiene hätte jedoch keinen Bestand, wäre es nicht der derzeitige Touren- und Markierungsreferent, Herr Jax Dellantonio, der in selbstloser und unermüdlicher Tätigkeit für den Bestand der Markierungen und ihrer Übereinstimmung mit den verschiedenen Wanderkarten sorgt. Ihm und zahlreichen Vorarbeitern , die schon längst nicht mehr unter uns weilen, ist es zu verdanken, wenn die Sektion zum hundertsten Geburtstag auf ein vorbildliches Wegenetz zwischen Talebene und Hochgebirge sehen kann, das einen nicht zu unterschätzenden – aber wenig mit Dank bedachten – Faktor im Fremdenverkehrswesen des ganzen Landes bedeutet. Denn – so formulierte es der Verfasser dieser Zeilen einmal – „der Wanderweg ist es, dem die Zukunft gehört, und nicht die Straße“. Diese fremdenverkehrstechnische Maxime wird sich dereinst in einer Weise bewahrheiten von der heutzutage so mancher noch gar keine Ahnung haben mag. Dabei würde ein Blick in die Schweiz genügen – und ebenso die einfache Rechnung, dass die Bevölkerung Europas schon in ein bis zwei Jahrzehnten Erholungsräume brauchen wird in den sie Heilung von den mannigfaltigen Zivilisationsschäden suchen muss und will. Bekanntlich ist Bewegung aber gesund – und nicht das Herumgesitze im Auto, bekanntlich ist es die reine Luft, die wohltuend wirkt, und nicht der Benzindunst. Wanderwege müssen daher noch mehr als bisher eine wahrhaft erholsame Berglandschaft erschließen, und werden dereinst eine Funktion haben, deren Wichtigkeit nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. In diesem Sinne hat die Sektion Bozen zu ihrem Jubiläum eine gewaltige Aufgabe vor sich, die sie niemals lösen kann, wenn sie nicht von der öffentlichen Hand unterstützt wird.
Denn hier liegt manches im Argen. Man will auf der einen Seite die alpine Landwirtschaft und ebenso die Waldwirtschaft durch den Bau von Zubringer- und Nutzungsstraßen fördern, was im Grunde durchaus zu bejahen is. Andererseits wird aber vielfach durch einen unsinnigen Straßenbau die Berglandschaft gestört, für Katastrophen anfällig gemacht und verschandelt – und dies zu einer Zeit , wo immer mehr gerade der Fremdenverkehr als Einnahmequelle von größter Wichtigkeit für unsere Bauern propagiert wird – ein echter Circulus vitiosus oder, wenn man will : eine Katze, die sich in den Schwanz beißt.
Die Tätigkeit des Alpenvereins und besonders der Sektion Bozen, deren Arbeitsgebiet zu den Bereichen gehört, die landschaftlichen Weltruhm haben, ist also für die Gesamtwirtschaft des Landes von hervorragender Bedeutung. Was die Sektion in ihrer hundertjährigen Geschichte dafür vielfach vollkommen unentgeltlich und ehrenamtlich geleistet hat, ist eine Pioniertat. Wenn sie zu ihrem Jubiläum wünscht, in dieser Tätigkeit gefördert und nicht eingeengt zu werden, so ist dies ihr gutes, in hundert Jahren erworbenes Recht.

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